Was ist eigentlich dieses Methylglyoxal (MGO) beim Manuka Honig?

Geposted von Samuel Ilg

Methylglyoxal MGO Info

Inhaltsübersicht

    Methylglyoxal – dieser Zungenbrecher weckt sofort Assoziationen zu Chemie und Reagenzgläsern. Doch die betreffende Substanz kommt ganz natürlich in vielen Organismen und Naturprodukten vor. Als Bestandteil von Honig kann Methylglyoxal, kurz: MGO, sogar in manchen Belangen zur menschlichen Gesundheit beitragen. Welche das sind und welcher Honig viel Methylglyoxal findest, verraten wir dir im Folgenden:

    Methylglyoxal im Honig – woher stammt es?

    Methylglyoxal ist ein einfaches Molekül aus der Gruppe der Ketoaldehyde. In Mikroorganismen, Pflanzen und Tieren entsteht es beim Abbau von Kohlenhydraten, im Prozess der Glycolyse. Einen vergleichsweise hohen Gehalt an MGO findet man auch in Manuka Honig – dieses Merkmal hebt die neuseeländische Honigspezialität von anderen Honigsorten ab. Entscheidend für den hohen MGO-Gehalt von Manuka Honig ist eine Substanz im Nektar der Südseemyrte: das Dihydroxyaceton (DHA). Nachdem die Bienen den Blütennektar des Manukabaums gesammelt und zu Honig verarbeitet haben, verwandelt sich DHA in der verdeckelten Wabe bei einer Temperatur von 37 Grad in Methylglyoxal¹. MGO-reicher Honig stammt daher aus Blütenarten, die viel Dihydroxyaceton aufweisen. Wenn man DHA künstlich einer MGO-armen Honigsorte hinzufügt, entsteht auch in ihr bei richtiger Lagertemperatur mit der Zeit ein erhöhter Gehalt von Methylglyoxal. 

    Wie wirkt Methylglyoxal?

    MGO-reiche und MGO-arme Honigsorten unterscheiden sich in einem weiteren Inhaltsstoff. Methylglyoxal hemmt die Entstehung von Wasserstoffperoxid, das als antibakterieller Bestandteil im Honig sehr geschätzt wird². Aus dem geringeren Wasserstoffperoxid-Anteil ergibt sich jedoch kein Nachteil, da MGO selbst eine stark antimikrobielle Wirkung besitzt. Im Laborversuch bekämpft MGO-reicher Manuka Honig Bakterien effektiver, als es die meisten anderen Honigsorten tun. Dabei konnten Forscher genau beobachten, auf welche Weise das Methylglyoxal den Bakterien zusetzt: Es schädigt ihre Membran und ihre Geißel so, dass sie sich nicht mehr bewegen und auf Oberflächen anhaften können³. Aufgrund seines hohen antibakteriellen Potenzials ist Manuka Honig auch Hauptbestandteil des sogenannten Medihoney, den Mediziner weltweit zur Wundbehandlung nutzen.

    Doch warum nutzen Ärzte den Honig und kein isoliertes Methylglyoxal? Die Antwort liegt in den synergetischen Wirkungen im Naturprodukt: Experimente offenbaren, dass natürlicher Honig Bakterien der Gattung Staphylococcus aureus etwa doppelt so effektiv bekämpft wie dieselbe Dosis reines MGO. Fachleute schließen daraus, dass die sekundären Pflanzenstoffe des Honigs, z.B. bestimmte Phenole, die Wirkung des enthaltenen MGO potenzieren könnten⁴.

    Welche Studien untersuchen die aktive Substanz im Honig?

    Da es im Naturprodukt erwiesenermaßen stärker wirkt als solo, untersuchen Mediziner Methylglyoxal innerhalb klinischer Studien in der Regel mit Manuka Honig. Hier liegt die Konzentration der Fachwelt in erster Linie auf Anwendungen in der Wundbehandlung und der äußerlichen Therapie von Entzündungen.

    Ein Hinweis vorab: In den durchgeführten Studien nutzen Forscher meist den durch Bestrahlung sterilisierten Medihoney. Das Naturprodukt Manuka Honig wird dagegen in Deutschland als Lebensmittel verkauft und unterliegt der Europäischen Health-Claims-Verordnung. Das bedeutet, er darf nicht mit Heilungsversprechen beworben werden, selbst wenn Studien existieren, die eine positive Wirkung suggerieren.

    Methylglyoxal im Wundmanagement

    Die Wundbehandlung gilt als eines der am besten erforschten Anwendungsfelder von MGO. Hier kann Methylglyoxal als Honigbestandteil dabei helfen, Wunden deutlich schneller abheilen zu lassen und das Risiko einer Infektion zu reduzieren. Eine Überblicksstudie, die Studien aus 35 Jahren mit über 3000 Teilnehmern zusammenfasste, bescheinigte der Honigbehandlung unter anderem, dass sie Brandwunden zweiten Grades etwa 4 bis 5 Tage schneller verheilen lässt als andere Verfahren. Auch Druckgeschwüre sprechen auf Honigbehandlungen besser an als auf reine Kochsalzlösung⁵. Im Bereich der Schönheitschirurgie konnte eine Behandlung mit MGO-reichem Manuka Honig zwar keine ästhetischen Vorteile in der Narbenbildung bringen, aber machte den Heilungsprozess für die Patienten subjektiv angenehmer, indem er Spannungsgefühle und Schmerzen reduzierte⁶.

    Methylglyoxal bei Nasennebenhöhlenentzündung

    Wie Methylglyoxal in Manuka gegen einen hartnäckigen Bakterienbefall wirkt, konnten Forscher an Patienten mit chronischer Nasennebenhöhlenentzündung beobachten. Nachdem sie ihre Nasenschleimhäute einen Monat lang mit Honiglösung gespült hatten, wiesen 42 Prozent der Probanden eine bakterienfreie Nasenschleimhaut auf. Bei einer Kontrollgruppe, die zum Spülen Kochsalzlösung genutzt hatten, traf dies nur auf 19 Prozent der Teilnehmer zu⁷. 

    Von besonderem Interesse ist MGO auch wegen seines Potenzials im Kampf gegen multiresistente Keime. Im Test wirkte Manuka Honig gegen den meticillin-resistenten Staphylococcus aureus (MRSA) annähernd so effektiv wie das Antibiotikum Mupirocin. Hier hinterließ die Honigbehandlung mit 42 Prozent etwas weniger bakterienfreie Kulturen als die Medikamententherapie mit 56 Prozent. Mupirocin erscheint auf den ersten Blick wirksamer; allerdings entwickelten beinahe 10 Prozent der Probanden unter dem Antibiotikum resistente MRSA-Stämme. MGO und Manuka könnten als Naturprodukte das Risiko der Resistenzbildung mindern⁸.

    Methylglyoxal in der Mundhygiene

    Als anti-mikrobieller Bestandteil könnte MGO auch die Mundhygiene verbessern – immerhin entstehen Zahnfleischentzündungen und Karies in erster Linie durch Bakterien. Bei Probanden, die sich 72 Stunden nicht die Zähne putzen durften, konnte Manuka Honig als Mundspüllösung die Bildung von Zahnbelag ebenso effektiv vermindern wie das medizinische Desinfektionsmittel Chlorhexidin⁹.

    Sind auch Negativ-Effekte möglich?

    Im Rahmen von Diabetes rückt Methylglyoxal ebenfalls in den Fokus der Forschung. Gemeint ist hier jedoch nicht das MGO aus Honig, sondern Methylglyoxal, das sich aufgrund des gestörten Zuckerabbaus in der Blutbahn der Patienten befindet. Es bindet an die Nervenzellen und macht sie überempfindlich für Schmerzen¹⁰. Experten bringen erhöhte MGO-Spiegel hier mit diabetischer Nervenschädigung und Schädigungen der Nieren in Zusammenhang. Nichtsdestotrotz empfehlen Experten selbst bei Diabetikern, die charakteristischen Fußgeschwüre mit Manukahonigauflagen zum schnelleren Heilen anzuregen¹¹. 

    Manuka Honig – Welche MGO Gehalte sind möglich?

    In der Regel wird der Gehalt an Methylglyoxal bei Manukahonig in Milligramm pro Kilogramm Produkt angegeben. Er beginnt bei 100mg und kann in Extremfällen bis zu 1200mg erreichen. Konzentrationen > MGO 500 sind jedoch eher selten auf dem Markt anzutreffen. Ein echter Manuka Honig 400+ wie den bei uns erhältlichen aus Neuseeland liefert demnach mindestens 400mg MGO pro kg und entspricht höchsten Qualitätsstandards. Zur Ermittlung des exakten Methylglyoxal-Gehalts wird das Produkt in deutschen Laboren analysiert. 

    Eine andere Maßeinheit für den antibakteriellen Effekt von Manuka Honig ist der sogenannte UMF (unique manuka faktor). Seine Größe von 5 bis 25 bezeichnete nichts anderes als den Zentimeter-Durchmesser der bakterienfreien Zone, die nach Auftropfen von Manukahonig in einer Petrischale entsteht. Da derartige Untersuchungen aufwendig und fehleranfällig sind, berechnet man den UMF heutzutage einfach anhand des MGO-Gehaltes. Ein Honig mit MGO 400+ hat hier den UMF 13. 

     

    Quellen & Literatur:

     ¹ Adams CJ, Manley-Harris M, Molan PC. The origin of methylglyoxal in New Zealand manuka (Leptospermum scoparium) honey. Carbohydr Res. 2009 May 26;344(8):1050-3. doi: 10.1016/j.carres.2009.03.020. Epub 2009 Mar 21. PubMed PMID: 19368902

     ² Majtan J, Bohova J, Prochazka E, Klaudiny J. Methylglyoxal may affect hydrogen peroxide accumulation in manuka honey through the inhibition of glucose oxidase.  J Med Food. 2014 Feb;17(2):290-3. doi: 10.1089/jmf.2012.0201. Epub 2013 Nov 5. PubMed PMID: 24192110

     ³Schmidlin PR, English H, Duncan W, Belibasakis GN, Thurnheer T. Antibacterial potential of Manuka honey against three oral bacteria in vitro. Swiss Dent J. 2014;124(9):922-4. PubMed PMID: 5253413

    ⁴ Jervis-Bardy J, Foreman A, Bray S, Tan L, Wormald PJ. Methylglyoxal-infused honey mimics the anti-Staphylococcus aureus biofilm activity of manuka honey: potential implication in chronic rhinosinusitis. Laryngoscope. 2011 May;121(5):1104-7. doi: 10.1002/lary.21717. PubMed PMID: 21520131

     ⁵Jull AB, Cullum N, Dumville JC, Westby MJ, Deshpande S, Walker N. Honey as a topical treatment for wounds. Cochrane Database Syst Rev. 2015 Mar 6;(3):CD005083. doi: 10.1002/14651858.CD005083.pub4. Review. PubMed PMID:25742878

     ⁶Malhotra R, Ziahosseini K, Poitelea C, Litwin A, Sagili S. Effect of Manuka Honey on Eyelid Wound Healing: A Randomized Controlled Trial. Ophthalmic Plast Reconstr Surg. 2017 Jul/Aug;33(4):268-272. doi: 10.1097/IOP.0000000000000743. PubMed PMID: 27429228

    ⁷ Lee VS, Humphreys IM, Purcell PL, Davis GE. Manuka honey sinus irrigation for the treatment of chronic rhinosinusitis: a randomized controlled trial. Int Forum Allergy Rhinol. 2017 Apr;7(4):365-372. doi: 10.1002/alr.21898. Epub 2016 Dec 9.PubMed PMID: 27935259

     ⁸Poovelikunnel TT, Gethin G, Solanki D, McFadden E, Codd M, Humphreys H. Randomized controlled trial of honey versus mupirocin to decolonize patients with nasal colonization of meticillin-resistant Staphylococcus aureus. J Hosp Infect.  2018 Feb;98(2):141-148. doi: 10.1016/j.jhin.2017.10.016. Epub 2017 Oct 26. PubMed PMID: 29107078

     ⁹Nayak PA, Nayak UA, Mythili R. Effect of Manuka honey, chlorhexidine gluconate and xylitol on the clinical levels of dental plaque. Contemp Clin Dent. 2010 Oct;1(4):214-7. doi: 10.4103/0976-237X.76386. PubMed PMID: 22114423

     ¹⁰Huang Q, Chen Y, Gong N, Wang YX. Methylglyoxal mediates streptozotocin-induced diabetic neuropathic pain via activation of the peripheral TRPA1 and Nav1.8 channels. Metabolism. 2016 Apr;65(4):463-74. doi: 10.1016/j.metabol.2015.12.002. Epub 2015 Dec 17. PubMed PMID: 26975538

     ¹¹Kamaratos AV, Tzirogiannis KN, Iraklianou SA, Panoutsopoulos GI, Kanellos IE, Melidonis AI. Manuka honey-impregnated dressings in the treatment of neuropathic diabetic foot ulcers. Int Wound J. 2014 Jun;11(3):259-63. doi:10.1111/j.1742-481X.2012.01082.x. Epub 2012 Sep 18. PubMed PMID: 22985336


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