Alles was du ĂŒber Bienenwachs wissen musst - beegut Bienenwissen

was ist bienenwachs

Honigbienen gelten zwar als fleißig, doch bei genauerer Betrachtung sind die gelb-schwarz gestreiften Tiere Genies. Stell dir vor, du stehst auf einer Wiese und baust ein Haus. Einfach so - ohne vorhandenes Baumaterial, denn das produzierst du mit deinem Körper selbst. Das wĂ€re vergleichbar mit dem, was die “Apis mellifera” leisten. Honigbienen “schwitzen” das Baumaterial einfach aus und schaffen sich damit ihr Heim samt Kinderstube und großer Speisekammer. Geniale Vorstellung, nicht wahr?

Der Baustoff ist Bienenwachs und im Laufe vieler Jahrtausende “lernten” Bienen, wie sie ihre Waben strukturieren mĂŒssen, um möglichst wenig Wachs bei höchster Effizienz zu verbrauchen. Beim Begriff “Bienenwachs” denken die wenigsten an die enorme Leistung, die die Tiere vollbringen, dabei lohnt sich ein Blick hinter die Kulissen eines Bienenstockes. Wie wird Bienenwachs gemacht? Wie kann ein solides Baumaterial aus dem Nichts entstehen? Welchem Zweck dient es? NatĂŒrlich geht es auch um die Nutzung durch den Menschen - darf man den Tieren ĂŒberhaupt ihr “Baumaterial” wegnehmen? Und fĂŒr was können wir es verwenden? Am Ende des Artikels wirst du Bienenstöcke mit anderen Augen sehen, vielleicht bekommst du sogar Lust, Bienenwachs selbst zu nutzen, sei es fĂŒr Naturkosmetik, sei es als Ersatz fĂŒr deine Frischhaltefolie oder sei es zur Pflege deiner Holz- oder Ledermöbel. Wie auch immer - Bienenwachs ist einer der faszinierendsten Rohstoffe, den die Natur (und die Bienen) uns zur VerfĂŒgung stellen.

Was ist nun das Wachs der Bienen genau?

 was ist bienenwachs

So einfach und lapidar lÀsst sich die Frage nicht beantworten. Das Wachs der Bienen besteht aus hochkomplexen Verbindungen, die kein Labor so nachbauen könnte. Die Kreativabteilung der Natur legte sich also einst ins Zeug, um aus knapp 300 Einzelsubstanzen einen Stoff zu generieren, der Bienen als Honig-Lagerraum und BrutstÀtte dient.

Bienenwachs InhaltsstoffeBienenwachs besteht - vereinfacht gesagt - aus einer Vielzahl langkettiger Alkanen, SĂ€uren, Estern, gesĂ€ttigten Kohlenwasserstoffen, FettsĂ€uren und zahlreichen weiteren organischen Stoffen. In eine chemische Formel zwĂ€ngen lĂ€sst sich das Wachs nicht - dazu ist es viel zu komplex. Im Ursprung ist das Wachs weiß, fast durchsichtig.

Eine feine Körnung erinnert vage an winzige Kristalle. Frisch produziertes Wachs wird im Fachjargon gerne als “Jungfernwachs” bezeichnet. Erst durch die Nutzung verfĂ€rbt sich das durchscheinende Wachs dunkel und so kann ein erfahrener Imker sozusagen an der Farbe des Wachses erkennen, ob es sich um frisches oder altes Wachs handelt. Auch die Konsistenz erinnert direkt nach dem Auspressen noch nicht an Wachs, vielmehr handelt es sich um winzige, brĂŒchige PlĂ€ttchen, die erst noch ausgiebig mit Bienenspeichel vermischt werden mĂŒssen, bevor es dann endlich fertig ist und als Baumaterial eingesetzt wird.

Wie stellen Bienen das Wachs her?

bienenwachs herstellung

Bevor Bienen ĂŒberhaupt erst zur “Wachsproduktion” fĂ€hig sind, mĂŒssen sie ihrem Organismus eine Menge NĂ€hrstoffe zufĂŒhren, damit dieser auf Hochtouren arbeiten kann. Rein rechnerisch, verputzten Bienen zwischen 4 und 10 Kilo Honig, um 1 Kilo Wachs herstellen zu können. Bienen beginnen etwa ab dem 13. Lebenstag damit, Wachs zu produzieren (schau dir dazu auch unseren extra Blogbeitrag an). Die Tiere sind mit insgesamt 8 DrĂŒsen am Hinterleib ausgerĂŒstet, aus denen sie winzige PlĂ€ttchen auspressen. Diese nehmen sie dann und kauen sie mit ihren Mundwerkzeugen (Mandibeln) grĂŒndlich durch. Auf diesem Weg kommen Eiweiße zu dem frischen Wachs. So fĂŒgt sich PlĂ€ttchen an PlĂ€ttchen, die fĂŒr den Wabenbau, aber auch fĂŒr Reparaturen innerhalb des Bienenstocks verwendet werden. Nach dem 18. Lebenstag endet die Ära als Baubiene, dann werden ihr andere Arbeiten zuteil. Sie könnte zwar immer noch Wachs produzieren, aber nicht mehr mit der gleichen Effizienz. Die WachsdrĂŒsen bleiben aber bis zum Lebensende halbwegs “funktionstĂŒchtig”.

Warum verfÀrbt sich das Wachs?

Die Wabenzellen dienen unter anderem als Lagerort fĂŒr Pollen und Honig und werden mit Propolis ausgekleidet. Besonders der Pollen hat naturgemĂ€ĂŸ je nach Tracht intensive Farben, die sich im Wachs niedersetzen. Da die Wabenzellen ebenfalls als BrutstĂ€tte genutzt werden, finden sich dort auch Reste von HĂ€utungen und Spuren von Kot. Nach intensiver Nutzung werden die einzelnen Brutzellen zudem immer kleiner. LĂ€sst man der Natur ihren Lauf, nagen die Tiere die Brutzellen selbst ab, um sozusagen wieder Platz zu schaffen. Deswegen entnimmt der Imker dunkel verfĂ€rbtes Wachs von Zeit zu Zeit, denn je dunkler es ist, umso “abgeschaffter” ist es auch.

Bienenwachs im Laufe der Geschichte

Als der Mensch begann, sich mit der Bienenhaltung auseinanderzusetzen, war es das Wachs, das dem Imker (damals “Zeidler”) Ansehen brachte. Denn nur durch Bienenwachs ließen sich in sakralen Bauten, in Burgen und Schlössern kĂŒnstliche Lichtquellen in Form von Bienenwachskerzen integrieren. Damit fleißig Wachs geliefert wurden, bekam die Zeidler-Zunft sowohl von kirchlicher als auch von königlicher Seite gewisse Hoheitsrechte. So durften Zeidler etwa eine Waffe mit sich fĂŒhren und es gab sogar eine eigene Gerichtsbarkeit, das sogenannte “Zeidelgericht”. Übrigens stammt der Begriff “Zeidler” vom lateinischen “cidlarii” ab, was ĂŒbersetzte etwa “einem Tier etwas wegnehmen” heißt.
NatĂŒrlich gehörten die Bienen dem jeweiligen König oder Kaiser, doch der Zeidler hatte die Nutzungsrechte daran.

Bienenstöcke gab es zu Zeiten der Zeidler noch nicht. Hohle BĂ€ume im Wald waren das Bienenheim, oftmals fanden sich in einem Baum mehrere Bienenvölker ĂŒbereinander. Durchstreifte der Zeidler auf der Suche nach neuen Bienenvölkern den Wald, war es ihm von fĂŒrstlicher Seite aus gestattet, den Baum mit einem Zeichen zu markieren - fortan gehörten die Bienen dem königlichen Haus und die Produkte dem Zeidler.

Die Ära Zeidler geht zu Ende

Um 1660 fand ein einschneidender Wandel statt, der eigentlich schon viel frĂŒher begrĂŒndet wurde: Zuckerrohr eroberte langsam und schleichend die Welt, auch Kolumbus transportierte eifrig Zuckerrohrstecklinge ĂŒber die Weltmeere. Zwar war Zucker im 17.Jahrhundert ein absolutes Luxusgut, welches sich ausschließlich die Reichsten leisten konnten, doch die Bedeutung von Honig als SĂŒĂŸungsmittel trat zurĂŒck. Der gleiche Effekt trat beim Bienenwachs ein: Es gab Reformationen, es wurden Klöster aufgelöst und infolge wurden nicht mehr so viele Kerzen benötigt. Auch statt des Honigwein Met gab es etwas Neues, was gebraut werden konnte: Bier. Die Zunft des Zeidlers war vorbei.

Im Jahre 1762 wurde das erste Wachsfigurenkabinett gegrĂŒndet, Wachs wurde also immer mehr fĂŒr vielfĂ€ltige Zwecke verwendet. Das Wachstuch kam auf, Wachspapier wurde erfunden, Wachsmalstifte fanden sich vermehrt in den MĂ€ppchen der Kinder, es gab Wachsperlen oder Wachsblumen. Schuster und Sattler nutzen Wachs, um ihre Garne gegen WitterungseinflĂŒsse zu schĂŒtzen und jeder kennt das Wachssiegel auf Briefen.

Nach den Jahren 1818 und 1830 reduzierte sich der Kauf von Bienenwachskerzen merklich, denn 1818 wurde Stearin entdeckt und 1830 Paraffin. Damit ging die Zeit der Bienenwachskerzen fast zu Ende. Die beiden genannten Stoffe lösten das Bienenwachs bei der Kerzenherstellung ab. Kerzen konnten nun gĂŒnstig in Masse produziert werden und es handelte sich nicht mehr um ein fast unbezahlbares Luxusgut.

Auch heute ist noch ein wertvoller Rohstoff

bienenwachs verwendung industrie und kosmetik

Das Wachs wird in der Lebensmittelindustrie vielfach genutzt, es wird als FĂŒllstoff, als TrĂ€gerstoff, als Trennmittel oder als Überzug verwendet. Dabei gelten vom Gesetzgeber her kaum BeschrĂ€nkungen, lediglich die Kennzeichnung muss vorhanden sein, im Falle von Bienenwachs bedeutet das die E-Nummer E901.

Sowohl im kosmetischen als auch im pharmazeutischen Bereich spielt Bienenwachs nach wie vor eine große Rolle. Es ist ein Rohstoff, der oft die Basis in den Produkten bildet, etwa bei der Salbenherstellung, bei Lotionen, bei Lippenstiften oder bei bei Haarstylingprodukten. Nicht zu vergessen, die Pflegeindustrie um die natĂŒrlichen Materialien wie Holz oder Leder. Das Baumaterial der Bienen ist ein idealer Rohstoff zur Pflege der naturbelassenen Produkte.

Mittlerweile geht der Trend im privaten Bereich selbst immer weiter in Richtung natĂŒrlicher Produkte. Die alten Rezepte der Creme- und Salbenherstellung sind aktueller denn je. FrĂŒher wurden Lebensmittel völlig selbstverstĂ€ndlich in WachstĂŒcher eingewickelt, um sie frisch zu halten - bis es die Frischhaltefolie gab. Heute haben sogenannte “Beewraps” große mediale Aufmerksamkeit, denn durch deren Einsatz lĂ€sst sich Plastik vermeiden.

Vom Bienenstock zum vielseitig einsetzbaren Rohstoff

Im Handel angebotenes Bienenwachs hat meist einen satten, hĂŒbschen Gelbton - mit Ausnahme von gebleichtem, weißen Wachs. Dieser Gelbton kommt nicht von ungefĂ€hr, denn wie weiter oben schon beschrieben, ist es direkt nach dem Ausschwitzen nahezu farblos. Durch die Nutzung der Bienen verfĂ€rbt es sich tief ins Braune. Erst, wenn es gereinigt ist, wenn also alle Schwebstoffe, Reste von PuppenhĂ€uten, Kot, Pollen, Propolis und Honig entfernt wurden, bleibt als Rohstoff das gelbe Wachs ĂŒbrig. Das Prozedere der Reinigung ist aufwendig, mit viel Arbeit verbunden und kann mehrere DurchlĂ€ufe erfordern.
Zuerst werden die leeren Waben eingeschmolzen, anschließend wird das flĂŒssige Wachs gefiltert und gereinigt. Nach jedem Filtervorgang wird es heller, bis es am Ende die goldgelbe Farbe hat. Übrigens muss eine RĂŒckstandsanalyse durchgefĂŒhrt werden, soll das Wachs zur industriellen Kosmetikherstellung oder in der Lebensmittelverarbeitung eingesetzt werden.

Was du alles aus Bienenwachs machen kannst

Der Rohstoff wird in seiner Bedeutung völlig unterschĂ€tzt - somit greift das Zitat: “FrĂŒher war nicht alles schlechter”. Aus Bienenwachs lassen sich wertige und sinnvolle Produkte fertigen, etwa Naturkosmetik, medizinische Produkte aber auch Holz- und Lederpflegeartikel. Ohne großen Aufwand, ohne weitreichende Fachkenntnisse. 


Zu den Produkten, die am hÀufigsten im Privathaushalt gefertigt werden, gehören:

  • Kerzen, Teelichter
  • als Basis bei der Salben- oder Lippenbalsam-Herstellung
  • als Zutat bei der Cremeherstellung
  • als Trennmittel beim Backen
  • Lederpflege
  • Holzpflege
  • als Alternative zur Frischhaltefolie
  • Christbaumschmuck
  • Basteln


Diese Liste ist nicht vollstĂ€ndig, sicher gibt es noch viel mehr Verwendungsmöglichkeiten fĂŒr das Baumaterial der Bienen.

Grundrezept Bienenwachssalbe

FĂŒr dieses einfache Rezept werden nur zwei Zutaten benötigt:


Öl und Wachs werden in ein hitzefestes Glas gegeben und in ein heißes Wasserbad gestellt. Unter gelegentlichem UmrĂŒhren wird das Ganze erhitzt, bis das Wachs komplett geschmolzen ist. Der Schmelzpunkt liegt bei rund 60 Grad, das Wasser muss also nicht unbedingt kochen.

Nach dem Schmelzen kann die flĂŒssige Phase in kleine Tigelchen abgefĂŒllt werden und muss nur noch erkalten. Fertig ist eine gute Salbe mit fettenden Eigenschaften.

NatĂŒrliche Lederpflege fĂŒr Glattleder

Folgende Zutaten werden fĂŒr die Lederpflegecreme benötigt:


Im ersten Schritt wird das Bienenwachs in einem hitzefesten Glas im Wasserbad geschmolzen. Anschließend wird das Lanolin und das Öl dazugegeben. Sobald sich durch RĂŒhren alle Zutaten miteinander verbunden haben, kann die Creme abgefĂŒllt und nach dem Erkalten als Lederpflege angewandt werden. Allerdings sollte es sich um echtes Leder und ausschließlich um Glattleder handeln. FĂŒr Kunst- oder Rauleder ist diese Rezeptur nicht geeignet.

Warum könnte die Nutzung von Bienenwachs dem Bienensterben entgegen wirken?

Wie anstrengend die Herstellung von marktfĂ€higem Bienenwachs ist, wurde bereits beschrieben. Diese Arbeit lohnt sich nur, wenn ein Imker dafĂŒr einen angemessenen, fairen Preis bekommt und vor allem, wenn er genug Abnehmer findet. WĂ€re die Nachfrage noch höher, könnte das den ein oder anderen Imker veranlassen, sich weitere Bienenvölker anzuschaffen. Auch angehende Neu-Imker wĂŒrden sich eventuell vermehrt in die Thematik einarbeiten. Derzeit reicht der deutsche Bienenbestand noch nicht aus, um den Bedarf zu decken.

Das ist eigentlich schade, denn hierzulande haben wir genug Natur, um Bienenvölker aufzustellen - lediglich die Zahl der Imker reduziert sich - es lohnt sich fĂŒr viele einfach nicht mehr. Eine Rolle spielt auch der Preis - da es hierzulande nicht genug Bienenwachs gibt, eröffnet das den Markt zu einer Oase der FĂ€lschungen. Viele Verbraucher orientieren sich nach wie vor am PreisgefĂŒge, was letztendlich die TĂŒr fĂŒr FĂ€lschungen weiter öffnet.

Bienenwachs wird beispielsweise von einigen schwarzen Schafen mit Stearin oder Paraffin gestreckt. Damit der Verbraucher das nicht am Geruch merkt, wir einfach etwas Propolis zugesetzt. So lÀsst sich Bienenwachs billig verkaufen - und tÀuscht dabei unmerklich den Verbraucher, schadet letztendlich Flora und Fauna. Bei Rohstoffen aus der Natur kann es fast nicht angehen, diese zu einem SchnÀppchenpreis zu verkaufen - das sollte man sich bei der Wahl immer vor Augen halten. QualitÀt hat ihren Preis und mit dieser QualitÀt ist nicht nur der Rohstoff Bienenwachs gemeint, sondern umfasst auch die Arbeit des Imkers.

Bienenwachs Pastillen bei beegut im Shop kaufen

FĂŒr unser Bienenwachs bezieht unser Hersteller weltweit nur das Beste Rohwachs ein. Es ist rĂŒckstandsfrei, denn es wird anschließend in Deutschland schonend mehrfach gereinigt. Nach der Reinigung und Kontrolle durch erfahrene Imker wird es zu den kleinen praktischen Pastillen verarbeitet (ebenfalls in Deutschland), so lĂ€sst sich das Wachs auf das Gramm genau weiterverarbeiten.

Es kann sowohl in der Naturkosmetik eingesetzt werden als auch bei der Kerzenherstellung oder als Mittel zur Holz- und Lederpflege. Innerhalb der zwei Jahre, die wir als haltbar angesetzt haben, sollten sich genug Möglichkeiten finden, das Bienenwachs zu verarbeiten. Z.b. ein Bienenwachstuch als Alternative zur Frischhaltefolie ist schnell gemacht, ebenso eine Salbe oder Lippenbalsam - es gibt genug Möglichkeiten!


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