Welche Pflanzen mögen Bienen nicht?

Geposted von Samuel Ilg am Jun 10, 2019

Inhaltsübersicht

    Blühpflanzen liefern Bienen ihre Lebensgrundlage in Form von Nektar und Pollen. Viele Menschen glauben deshalb, dass jede dekorative Blüte auf dem Balkon, der Terrasse und im Garten den emsigen Fluginsekten nutzt. Doch es gibt auch Pflanzen, die Bienen nicht mögen, weil sie ihnen keine geeignete Nahrung bieten. Im Folgenden erfährst du, welche Sorten dazugehören und welche bienenfreundlichen Alternativen es gibt.

    Wie erkennen Bienen, wo es Nahrung für sie gibt?

    In erster Linie signalisieren Duft und Blütenfarbe einer Pflanze der Biene eine potenzielle Nahrungsquelle. Gleichzeitig agieren die Insekten bei der Suche nicht planlos – Bienen sind Meister im Aufspüren des aktuell reichsten Vorrats an Nektar und Pollen in ihrer Umgebung. Hat ein Exemplar die ergiebigste Pflanzensorte am Ort entdeckt, beweist es Blütenstetigkeit. Dass bedeutet, die Biene fliegt im Tagesverlauf bevorzugt dieselbe Pflanzenart an, selbst wenn ihr eine Vielzahl anderer Blumen zur Auswahl stehen. Und sie bleibt beim Pollensammeln nicht allein: Über den Schwänzeltanz informiert die Biene ihre Artgenossen über die gute Nahrungsquelle, sodass ein Volk diese koordiniert ausschöpfen kann.

    Welche Pflanzen bieten Bienen keine Nahrung?

    rosen und bienen

    Bienen bekommen Pollen und Nektar, Pflanzen sichern ihre Vermehrung durch Bestäubung – dieser „Deal“ besteht seit rund 110 Millionen Jahren. Doch aktuell stehen im bundesdeutschen Durchschnittsgarten auch viele Pflanzen, die den Bienen in puncto Nahrungsversorgung nicht nützen oder gar gefährlich werden können. Sie gehören zu den folgenden Gruppen:

    • Blumen mit gefüllten Blüten: Was dem menschlichen Auge reizvoll scheint, ist für Bienen nicht unbedingt von Vorteil: Bei reich gefüllten Blüten, wie sie etwa viele Rosensorten besitzen, hat gezielte Züchtung die Staubblätter teilweise zu Blütenblättern umgewandelt oder verkümmern lassen. Die zusätzlichen Blütenblätter sehen dekorativ aus, während das Eliminieren der Staubgefäße garantiert, dass die Pracht im Garten länger hält. Denn wenn eine Blüte erst einmal bestäubt wurde, welkt sie rasch und beginnt, Früchte bzw. Samen auszubilden.

    Ohne Staubgefäße liefern gefüllte Blüten jedoch Bienen keine Nahrung. Darüber hinaus versperrt ein gefüllter Blütenkopf den Fluginsekten mechanisch den Zugang zu Nektar und Pollen. Rosen, Stockrosen, Geranien, Chrysanthemen oder Dahlien sehen in den gefüllten Varianten zwar spektakulär aus, haben für Insekten dann aber keinerlei Wert mehr.

    • Blüten mit ungeeigneter Form: Manche Blüten bergen ihren Nektar so tief im Blütenkelch, dass es einen langen Rüssel braucht, um die süße Quelle zu erreichen. Daher eignen sich z.B. Rotkleeblüten eher für Hummeln und nicht für Bienen.

    forsythie bienen

    • Hybriden: Die bekannteste Hybridpflanze in deutschen Gärten ist wohl die Forsythie. Der gelb blühende Strauch gilt als regionaler Frühlingsbote schlechthin – er kam jedoch erst im Jahre 1833 als Einwanderer aus China. Die hierzulande kultivierte Forsythie ist eine künstliche Kreuzung aus den Arten f. x suspensa und f. x viridissima, die als Hybride nur in seltenen Fällen Pollen oder Nektar bildet. Dieses Phänomen bezeichnen Gartenfachleute als „trockene Blüten“. Bienen werden zwar von ihrer gelben Signalfarbe angezogen, müssen dann aber erkennen, dass die vermeintliche Nahrungsquelle leer ist. Forsythien verbreiten sich folglich nicht durch Bestäubung, sondern können nur durch Stecklinge vermehrt werden.
    • Pflanzen mit anderen Bestäubungs-Strategien: Manche Pflanzen sind „lebende Fossilien“ und entstammen einer erdgeschichtlichen Periode, in der es noch keine Bienen gab. Demzufolge sind auch ihre Vermehrungstaktiken nicht auf Insekten ausgerichtet. Ginkgo, Koniferen und Buchen bestäuben sich mithilfe des Windes und brauchen Bienen daher keine nektarreichen Blüten zu bieten.
    • Monokulturen: Sie spielen im Garten keine Rolle, prägen jedoch die ländlichen Gebiete. Wenn sie zu ihrem Nahrungsspektrum zählen, bieten Monokulturen Bienen eigentlich eine gute Nahrungsquelle. Imker bezeichnen große Bestände von Raps, Sonnenblumen oder Linden daher als „Massentracht“. Als Falle erweisen sich diese Quellen dann, wenn sie mit bienengefährlichen Pestiziden (z.B. Neonikotinoiden) behandelt wurden. Problematisch wird es für die Insekten auch, wenn sich nach der Mono-Blüte weit und breit keine andere Nahrungsquelle bietet. Hier sprechen Imker von einer „Trachtlücke“.

    Können die falschen Pflanzen Bienen schaden?

    Gefüllte und sterile Blüten signalisieren den Insekten durch ihre leuchtende Farbe, dass sie eine Lebensgrundlage sind. Das Insekt muss die Blüte zunächst ansteuern und untersuchen, bis es merkt, dass hier nichts zu holen ist. Anschließend fliegt es weiter zur nächsten vielversprechenden Blüte. Wenn diese Suche lang ausfällt, weil weit und breit nur unbrauchbare Blüten zu finden sind, können Bienen vor Erschöpfung sterben. Besonders bei kälteren Temperaturen bleiben die Insekten irgendwann liegen und verenden schließlich.

    Warum ist Vielfältigkeit in der Vegetation so wichtig für Bienen?

    Nicht alle Pflanzen liefern Pollen und Nektar im gleichen Maße: Lindenblüten sind beispielsweise reich an Nektar, währen Mohn viele Pollen aufweist. Doch ein Bienenvolk braucht stets beides, um zu überleben. Ausgewachsene Exemplare nutzen den kohlenhydratreichen Nektar für ihre eigene Energieversorgung und sammeln proteinreiche Pollen als Nahrung für ihre Brut. Ammenbienen verarbeiten Blütenpollen zu Futtersaft (Gelée Royal), der die Larven in den ersten drei Lebensstadien nährt. Als „Bienenbrot“ bildet fermentierter Pollen zusätzliche Nahrung für Arbeiterinnen und älteren Larven.  

    Deshalb ist es für ein Bienenvolk wichtig, von Frühling bis Spätherbst eine Vegetation anfliegen zu können, die durch ihre Mischung ununterbrochen einen Nektar- und Pollenvorrat garantiert. Doch gerade dies gestaltet sich heutzutage nicht mehr einfach: Auf dem Land existieren große Flächen mit Monokulturen – Grünstreifen fehlen häufig oder sind mit Pestiziden belastet. In der Stadt wächst der Trend zum minimalistischen Steingarten, während Blumenliebhaber gern gefüllte Rosen und Geranien in ihre Vorgärten setzen. Dabei braucht es nur einige Blumenkästen auf dem Balkon, um Bienen eine Weide in der Betonwüste anzubieten. Idealerweise solltest du dafür ein geeignetes Saatgut verwenden, das eine bienenfreundliche Pflanzenmischung enthält.

    Gibt es bienen-untaugliche Bäume?

    gingko baum und bienen

    Als „Nicht-Bienenpflanzen“ bezeichnen Fachleute Pflanzen, die keine hochqualitative Nahrungsquelle für Bienen darstellen. Dazu gehören auch sämtliche Baum-Arten, die zur Bestäubung nur den Wind benötigen. Die Pollen von Windblütlern sind für Bienen zwar verwertbar aber nicht optimal. Da sie flugfähig sein müssen, sind diese Pollen sehr leicht und enthalten weniger Enzyme als die Pollen von Bienenpflanzen. Bienen sammeln die Pollen von Windblütlern in der Regel nur dann, wenn keine anderen Sorten vorhanden sind.

    Typische Windblütler in deutschen Gärten und Parks sind:

    • Bambus
    • Birke
    • Buche
    • Eibe
    • Eiche
    • Erle
    • Esche
    • Fichte
    • Flieder
    • Ginkgo
    • Hamamelis (Zaubernuss)
    • Hasel
    • Hopfen
    • Kiefer
    • Lärche
    • Magnolie
    • Mammutbaum
    • Pappel
    • Platane
    • Sanddorn
    • Scheinzypresse
    • Tanne
    • Thuja
    • Ulme
    • Wacholder
    • Walnuss
    • Zeder

    Sonderfall Honigtau: Tannen zählen zu den Windblütlern, bieten Bienen aber eine zusätzliche Delikatesse. Auf ihrer Rinde leben Blatt- und Schildläuse und ernähren sich vom Pflanzensaft, der sich auf den Tannenadeln sammelt. Anschließend scheiden sie den sogenannten Honigtau aus. Honigtau wiederum dient Bienen als Nahrung und bildet die Grundlage für Tannenhonig.

    Alternativen zu Nicht-Bienenpflanzen

    biene auf wildblume

    Wer nicht auf Forsythien im Garten verzichten will, sollte die Sorte „Beatrix Farrand“ wählen – sie ist die einzige Forsythie, die Pollen bildet. Auch die gelbe Kornelkirsche blüht bereits ab Februar und bietet Wildbienen eine wichtige frühe Nahrungsquelle. Statt gefüllter Dahlien, Geranien, Stockrosen und Rosen, bieten sich die ungefüllten Variante an. Wer auf die „klassische“ Rose nicht verzichten will, sollte sie in Begleitung von Wildrosen oder Kartoffelrosen pflanzen. Diese archaischen Varianten verströmen im Gegensatz zu den dekorativen gefüllten Blüten einen intensiven Rosenduft. Ansonsten eignen sich Wildblumen und -Stauden, Kräuter und viele Arten von Zwiebelgewächsen für die eigene Bienenweide. Imker empfehlen hier eine regionale Mischung, da sich die heimischen Wildbienen seit Generationen auf die heimische Flora spezialisiert hat.

    Ein Naschgarten für Mensch und Biene entsteht, wenn man Kräuter anpflanzt. Bei Minze, Thymian und Rosmarin erscheinen zwar die Blüten nicht spektakulär, aber die Insekten orientieren sich am intensiven Geruch. Sträucher und Gehölze, die eine lange Blütezeit haben, versorgen Bienen wiederum kontinuierlich.

    Wer eine Bienenfutterquelle ohne saisonale Unterbrechung im Beet oder im Blumenkasten anbieten will, sollte die Pflanzen mithilfe eines Blühkalenders so wählen, dass stets eine Sorte blüht. Noch leichter machen es dir unsere praktische Saatgutmischungen für Bienenweiden. Der Inhalt reicht für etwa 100 Quadratmeter Fläche und enthält 64 bienenfreundliche Nutz- und Wildpflanzensamen. Von Mai bis zum ersten Frost garantierst du den Bienen in deiner Umgebung damit ein reichhaltiges Pollen- und Nektarangebot.


    Diesen Post teilen



    ← Älterer Post


    Hinterlassen Sie einen Kommentar

    Bitte beachten Sie, dass Kommentare vor der Veröffentlichung freigegeben werden müssen.


    Folge uns auf Instagram #beegut