Wie alt werden Bienen?

Geposted von Samuel Ilg

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Inhaltsübersicht

    Ein Bienenvolk bildet einen komplexen Superorganismus. In ihm besitzen Arbeiterinnen, Drohnen und Königin unterschiedliche Aufgaben, die auch ihre Lebensspanne bestimmen. Auf die Frage „Wie alt werden Bienen?“ lässt sich deshalb keine Pauschalantwort geben. Die Frage nach dem Durchschnittsalter steht im unauflöslichen Zusammenhang mit dem Lebenszweck einer Biene: 

    Wie lange lebt eine Honigbiene?

    Mit „Honigbiene“ bezeichnen die meisten Menschen jene Arbeiterinnen im Bienenstock, die im Sommer unablässig ausschwärmen, um Nektar und Pollen zu sammeln. Ihr Lebenszyklus verläuft in exakt geregelten Phasen:

    • Tag 1 bis 3: Drei Tage vergehen, bis die Larve einer Arbeiterin aus dem Ei schlüpft.
    • Tag 4 bis 9: Die folgende 6 Tage verbringen die Larven in offenen Waben und werden von erwachsenen Arbeiterinnen intensiv gefüttert. In dieser Periode ihres Lebens vertausendfacht eine Bienenlarve ihr Schlupfgewicht.
    • Tag 10 bis 21: In dieser Phase verpuppen sich die Bienenlarven mehrfach in verdeckelten Waben und schlüpfen im Anschluss als erwachsene Arbeiterinnen. Honigbienen sind daher bereits 3 Wochen „alt“, bevor sie beginnen, an der Arbeit im Bienenstock teilzunehmen.
    • Tag 22 bis 24: Die geschlüpften Bienen säubern ihren Körper und ihre Waben. Letztere kleiden sie mit einem dünnen Film aus Propolis aus. Auf diese Weise sind die Brutstätten bereit für eine erneute Eiablage der Bienenkönigin. Imker nennen Bienen in dieser Lebensphase Putzbienen.
    • Tag 25 bis 26: Anschließend bereiten die Arbeiterinnen die Nahrung für die kommenden Larven aus Pollen zu. Fachleute bezeichnen die Insekten im entsprechenden Alter als Ammenbienen.
    • Tag 27 bis 34: Die Arbeiterinnen verfügen jetzt über ausgebildete Futtersaftdrüsen am Kopf und Versorgen Larven und Königin mit Nahrung.
    • Tag 35 bis 37: Bei einigen Arbeiterinnen wird jetzt eine wachsbildende Drüse aktiviert. In diesem Abschnitt bauen die Arbeitsbienen neue Waben und Verdeckeln die Waben der Larven für ihr Verpuppungsstadium. Im Fachjargon der Imker heißen diese Bienen Baubienen.
    • Tag 38 bis 40: Als Wachbienen am Eingang des Bienenstocks wehren die Arbeiterinnen Eindringlinge ab. In dieser Zeit bilden sich ihre Futter- und Wachsdrüsen zurück. Dies dient zur Vorbereitung auf ihre folgende Aufgabe als Trachtbiene.
    • Tag 41 bis 63: Die Arbeiterinnen schwärmen aus und sammeln Wasser, Pollen, Nektar sowie die Grundstoffe für Propolis.

    Die gesamte Lebensspanne einer Honigbiene beträgt etwa 9 Wochen. Drei davon verbringt sie als Ei, Larve und Puppe, drei weitere ausschließlich im Bienenstock als Stockbiene. In den letzten drei Wochen ihres Lebens verlässt eine Biene den Bienenstock regelmäßig zum Futtersammeln. Diesem Zyklus sind alle Arbeiterinnen eines Volkes unterworfen – außer der letzten Brut im Jahr. Die Aufgabe der sogenannten „Winterbienen“ ist es, das Überleben des Volks während der kalten Jahreszeit zu sichern. Dafür sind sie mit einem körpereigenen Proteinspeicher ausgestattet, der ihnen eine Lebensdauer von 7 Monaten und mehr ermöglicht. Wenn die Königin im Februar wieder mit dem Eierlegen beginnt, ziehen die Winterbienen die neue Brut auf und der kürzere Zyklus der Sommerbienen beginnt.

    Was bestimmt, ob Sommer oder Winterbienen schlüpfen?

    Im Rahmen ihrer Doktorarbeit konnte die Bienenforscherin Fiola Bock im Jahr 2005 zeigen, dass allein die Temperatur bestimmt, ob Sommer- oder Winterbienen schlüpfen. Damit passt sich das Bienenvolk den herrschenden Umweltgegebenheiten an. Sinkt im Herbst die Temperatur unter eine bestimmte Schwelle, leitet die geringere Bruttemperatur epigenetische Veränderungen in den Larven ein und erzeugt Winterbienen. Dabei weicht die Temperatur in der Brutwabe nur geringfügig von der im Sommer ab: Im Experiment schlüpften kurzlebige Sommerbienen bei 36 Grad, langlebige Winterbienen ab einer Bruttemperatur von 34,5 Grad.

    Wie lang leben Drohnen?

    Die männlichen Bienen nehmen nicht an den Arbeitsabläufen im Bienenstock teil, sondern streben die Paarung mit einer Bienenkönigin an. Erreichen sie diese, sterben sie direkt im Anschluss daran. Ab Ende Juni werden die männlichen Bienen dann systematisch aus dem Bienenstock verdrängt und verenden aufgrund von Nahrungsmangel. Ihre durchschnittliche Lebensspanne liegt etwa bei 1 bis 3 Monaten.

    Wie lang lebt eine Bienenkönigin?

    Die einzige fruchtbare weibliche Biene eines Volks ist die Königin. Sie paart sich zu Beginn ihres Lebens mit mehreren Drohnen aus fremden Völkern und bewahrt das Sperma in einer Samenblase in ihrem Körper-Innern auf. Aus diesem Vorrat befruchtet, legt sie etwa fünf Jahre lang Eier – in Spitzenzeiten bis zu 2000 Stück am Tag. Wenn sich die Lebensspanne einer Bienenkönigin nach 4 bis 5 Jahren dem Ende zuneigt, ist der Vorrat ihrer Samenblase erschöpft und sie erzeugt vermehrt unbefruchtete Eier, aus denen Drohnen schlüpfen. Diese Entwicklung gibt dem Bienenvolk das Signal, mit der Aufzucht einer neuen Königin zu beginnen.


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