Osterfeuer, was steckt hinter dem Brauch?

Geposted von Samuel Ilg Samuel Ilg |
Osterfeuer, was steckt hinter dem Brauch?
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    Bald ist es wieder so weit: In vielen Kommunen laden Vereine und Ortsfeuerwehren zum großen Osterfeuer ein. Schon Wochen vorher wird gemeinsam Holz gesammelt – beim flammenden Spektakel treffen sich dann Jung und Alt, genießen Getränke mit Gegrilltem und läuten traditionell den Frühjahrsanfang ein. Doch wer hat das Osterfeuer eigentlich erfunden? Wir haben recherchiert: 

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    Germanisch oder christlich – woher stammt der Brauch des Osterfeuers?

    Heutzutage gilt das Osterfeuer als christlicher Brauch. Traditionell entzündet man es am Abend des Karsamstags, am Ostersonntag in der Morgendämmerung oder – vielerorts in Süddeutschland – erst am Ostersonntag nach Einbruch der Dunkelheit. Doch ursprünglich gehörte ein Osterfeuer gar nicht zur Liturgie der christlichen Kirche. Woher stammt der Brauch also?

    Ist das Osterfeuer eine christliche Aneignung heidnischer Bräuche?

    Dass ein österlicher Feuerbrauch der katholischen Kirche unbekannt war, weiß man heute aus einem Briefwechsel zwischen Erzbischof Bonifatius und Papst Zacharias aus dem Jahre 751.
    Bonifatius war von der Kirche durchs Land geschickt worden, um die germanischen Stämme in Hessen, Thüringen und Bayern zu christianisieren. In seinem Schreiben berichtet er dann über die Brauchtumsfeuer der ansässigen Bevölkerung und fragt seinen Vorgesetzen, wie man im Sinne der Kirche damit umgehen solle. Dazu muss man wissen, dass Bonifatius beim Missionieren der „Ungläubigen“ normalerweise nicht zimperlich vorging.
    Im hessischen Geismar fällte er zum Beispiel kurzerhand eine jahrhundertealte Eiche, in der die ansässigen Germanen ihren Gott Thor verehrten. Dass der Priester dabei nicht Thors Hammer zu spüren bekam, beeindruckte die Zuschauer sogar und ließ sie womöglich am eigenen Glauben zweifeln. Was die Frühjahrsfeuer anbelangte, fuhr die Kirche jedoch keinen Konfrontationskurs, sondern entschied, sich den Brauch schlichtweg anzueignen. 

    Was passiert beim kirchlichen Osterfeuer?

    Osterfeuer

    Im kirchlichen Ritus segnet der Priester das Feuer und entzündet die Osterkerze daran. Sie wird anschließend in die dunkle Kirche getragen, während die Prozession der Gläubigen ihr folgt.

    Das Licht symbolisiert die Auferstehung Jesu Christi und seine Rolle als Licht der Welt. Gleichzeitig verweist der Brauch auf die Exodus-Erzählung des Alten Testaments: Als die Israeliten aus Ägypten auszogen, wies Gott ihnen nachts den Weg durch eine leuchtende Feuersäule. Osterfeuer begeht man deshalb vorwiegend in christlich geprägten Teilen der Welt, vor allem in Deutschland, Belgien, Luxemburg aber auch in Griechenland.

    Feuerbräuche haben lange Tradition

    Ein großes Feuer als Zentrum einer Tradition – dieses Phänomen ist keine germanische Erfindung, sondern existiert schon seit Menschengedenken.
    So verehrten die alten Ägypter den Sonnengot Sol und brannten ihm zu Ehren große Feuer ab, um die Sonne näher zur Erde zu locken. Im antiken Griechenland traf sich die Welt jährlich in einem großen Heiligtum, z.B. in Olympia, und entzündete neben den Wettkämpfen dort ein Opferfeuer.
    Als Vorläufer des Osterfeuers kann man aber vor allem Feuer betrachten, die an den Jahreszeitenwechsel gebunden sind und den Übergang von der dunklen Winterzeit in die Frühjahrs- und Sommermonate symbolisieren: Etwa das keltische Beltane-Feuer, das um den ersten Mai entflammt wurde, als Marker für den Beginn der schönen Jahreszeit.

    Wie sehen Osterfeuer heutzutage aus?

    Hierzulande ähneln sich die Osterfeuer-Bräuche stark: Ein Holzstoß aus Baum- und Strauchschnitt wird möglichst hoch aufgetürmt. Manchmal steht er mitten auf dem Feld oder einem Hügelkamm, damit das Feuer weithin sichtbar ist.
    In einigen Regionen krönt eine Strohpuppe oder ein symbolischer Baumstamm den Holzstapel, deren Bedeutung man nicht sicher definieren kann. Manche Volkskundler sehen darin die Personifikation des Winters, manche eine Hexe und manche Judas Iskariot, der Jesus an die Römer auslieferte.

    Im Harz bestehen die „Ostermeiler“ aus Fichtengrün und -reisig, auf denen eine große Fichte steht. In Bayern kennt man die Tradition, dass Kinder Birkenhölzer im Osterfeuer ankohlen und ablöschen, um sie für den Rest des Jahres zum Schutz vor Blitzschlag auf den Dachboden zu legen. Wie auch immer die regionalen Sitten aussehen: Überall gelten Osterfeuer als gesellige Treffpunkte und bieten Unterhaltung für Kinder, vor Allem wenn Stockbrot gebacken wird oder jeder seine eigene Fackel bekommt

    Darf ich überhaupt ein Osterfeuer im eigenen Garten anzünden?

    Obwohl beim Osterfeuer meist Baum- und Strauchschnitt verbrannt wird, unterliegt es nicht der „Verordnung zur Beseitigung von pflanzlichen Abfällen durch Verbrennen (§ 4 Abs. 4 des Abfallbeseitigungsgesetzes)“, sondern dient der Brauchtumspflege.
    Jeder, der will, darf deshalb im eigenen Garten ein Osterfeuer veranstalten.

    Einzige Einschränkung: Damit die Feuerwehr die örtliche Lage einschätzen und die Rauchentwicklung überwacht werden kann, sind Osterfeuer vielerorts genehmigungspflichtig.

    Achtung: Viele Kommunen setzen für die Anmeldung eine Frist fest; im Jahr 2023 ist das vielerorts der 31. März. Ankündigen kannst du dein Osterfeuer mit einem gesonderten Formular online, per Mail oder brieflich. 

    Wichtige Tipps für das eigene Osterfeuer

    Damit beim Osterfeuer nichts schief geht, solltest du diese Tipps beachten:

    1. Häufig wird das Holz für das Osterfeuer über Wochen gesammelt und aufgeschichtet. Während dieser Zeit dienen die Holzstöße vielen Insekten und Kleintieren als Unterschlupf. Vor dem Osterfeuer solltest du den Stapel deshalb noch einmal umschichten, damit die Bewohner sich rechtzeitig ein neues Heim suchen können.
    2. Die Feuerwehr rät, mit dem Feuer zu Gebäuden und Bäumen einen Abstand von 50 Metern einzuhalten. Der Abstand zu einer Straße sollte 100 Meter betragen.
    3. Kinder reagieren neugierig auf lodernde Flammen und sollten ihnen nicht zu nahekommen. Lass deinen Nachwuchs deshalb nie aus den Augen. Bei kleinen Verbrennungen hilft das Kühlen mit 10 bis 20 Grad kühlem Leitungswasser (bitte kein Eis nutzen!). 
    4. Strohballen als Sitzgelegenheiten rund ums Feuer versprühen zwar eine gemütliche Atmosphäre, können aber durch Funkenflug leicht Feuer fangen. Wählt feuerfeste Stühle und haltet Abstand.
    5. Bevor die Feuerstelle sich selbst überlassen wird, muss sie vollständig erkaltet sein.
    Samuel Ilg
    Über den Autor
    Samuel Ilg

    Samuel ist Mit-Gründer von beegut, begeistert von Permakultur / Restoration Agriculture, schmökert gerne Hermann Hesse und überzeugt von der Macht des Verbrauchers

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