So produzieren Bienen ihr gelbes Wachs

Geposted von Hannes Borst

bienenwachs herstellung

Inhaltsübersicht

    Sicher ist dir schon aufgefallen, dass wir von beegut unsere Bienenwachspastillen immer mit dem Zusatz „auf Rückstände geprüft bzw. für Naturosmetik geeignet“ beschreiben. Doch was bedeutet das eigentlich? Ist Bienenwachs nicht ein naturbelassenes Produkt, welches von Hause aus „frei von Rückständen“ sein sollte? Wie wird es denn hergestellt und vor allem: warum?

    Um Antworten auf diese Fragen zu finden, tauchen wir für einen Moment tief in einen Bienenstock ein, denn dort beginnt die Geschichte der Wachsproduktion. Es ist eine spannende und faszinierende Story, die im Grunde die Natur selbst geschrieben hat. Gerade am Beispiel der Wachsherstellung zeigt sich, wie funktional und effektiv natürliche Prozesse ablaufen - wenn man sie denn lässt.

    Unser fiktiver Bienenstock

    In einem Bienenstock leben in den Sommermonaten zwischen 30.000 und 80.000 Bienen. Zu Beginn des Sommers werden die männlichen Bienen (Drohnen) aus dem Stock verjagt - übrig bleiben die Arbeiterinnen und die Königin. Die Lebenserwartung der Arbeiterinnen beschränkt sich auf vier bis sechs Wochen - doch diese Zeit hat es in sich.

    Bei einem Bienenvolk geht es organisiert zu. Jede Arbeitsbiene hat ihre zeitlich begrenzte Aufgabe. Direkt nach ihrer „Geburt“ beginnt die Jungbiene mit dem Säubern der Zellen, aus denen Bienen schlüpfen. Danach folgt die Versorgung der der Larven, abgelöst durch die Produktion von Gelee Royal.



    Jetzt ist unsere fiktive Biene etwa 12 Tage alt. Ihre Wachsdrüsen, die an der Bauchseite des Hinterleibes sitzen, sind voll entwickelt. Insgesamt hat das Tier acht solcher Drüsen, also vier auf jeder Seite. Übrigens verkümmern diese Drüsen nach einigen Tagen, deswegen ist die Zeitspanne der Wachsgewinnung recht kurz.

    Das Auspressen

    Wachs zu produzieren, kostet Kraft und Energie. Die Baubienen futtern zwischen April und Juni die Menge an Nektar, die für einige Kilo Honig gereicht hätte, um daraus ein Kilo Wachs herzustellen.

    Über die Drüsen am Hinterleib sondern die Tiere das Wachs ab. Es hat rein optisch noch nichts mit dem Bienenwachs zu tun, wie wir es kennen. Es handelt sich um winzige weiße bis kristallene Plättchen, die das Tier mit den Hinterbeinen aufnimmt und es nach vorne zu den Mundwerkzeugen befördert. Jetzt wird gekaut, eingespeichelt, gekaut. Dadurch wird das Wachs geschmeidig und formbar. Um nochmals eine Zahl zu nennen: Für ein Kilo Wachs werden über eine Million solcher Plättchen benötigt.

    Die Wachsmenge

    Es hängt von einigen Faktoren ab, wie viel Wachs ein Bienenvolk produziert. Je mehr Nektar die Tiere sammeln, umso mehr Wachs wird hergestellt. Auch das Brutgeschehen spielt eine Rolle - gibt es viel Nachwuchs, benötigen die Tiere viel Wachs. Im Durchschnitt produziert ein einziges Bienenvolk in der Saison zwischen 500 und 800 Gramm Wachs.

    Wachs als Grundlage für den Bau

    Bienen pressen Wachs aus, um damit ihre Waben zu bauen. Die charakteristische sechseckige Form der Zellen entsteht übrigens durch einen physikalischen Effekt, ursprünglich sind sie rund. Der eigentliche Bau schreitet voran, indem sich die Tiere wie eine Traube aneinanderhängen und von oben nach unten die Waben bauen. Dazu verwenden sie die ausgepressten und durchgekauten Wachsplättchen und kleben es an die Zellwände. Durch ihr eigenes Körpergewicht fungieren die Tiere quasi wie eine Art Lot, so entstehen in kürzester Zeit sechseckige Zellen, die in ihrer Gesamtheit als Waben bezeichnet werden.

    Wildbau oder geordneter Wabenbau

    Der Imker hat die Möglichkeit, den Bautrieb eines Bienenvolkes zu unterstützen. Dazu setzt er sogenannte „Mittelwände“ ein, also vorgefertigte Wachsplatten. Diese Platten werden meist im Ernte- oder Brutbereich eingesetzt und von den Tieren ausgebaut. So kann ein Imker die Waben zur Ernte entnehmen, ohne den Wabenbau zu zerstören. Zudem sparen die Tiere durch die vorgefertigten Wachsplatten Zeit und Energie.

    Die Waben dienen dem Bienenvolk als Vorratsspeicher, als Brutstätte und als Produktionsplatz. Übrigens ganz spannend: Obwohl der Bautrieb bei Bienen extrem ausgeprägt ist, betreibt ein Volk ohne Königin keinen Wabenbau.

    Und warum ist Bienenwachs gelb?

    Wie schon gesagt, direkt nach dem „Auspressen“ ist Bienenwachs weiß bis farblos. Ist es als Baustoff verbaut, kommen Propolis, Pollenfarbstoffe, Kotreste und Larvenhäute hinzu. So verdunkelt sich das Wachs von einem gelblichen bis rötlichen Farbton.

    Und genau jetzt kommen wir auf den Beginn des Artikels zurück, denn genau das ist unter Umständen mit Rückständen gemeint, wenn es um den Verkauf von „Wachs ohne Rückstände“ geht. Wird das Wachs entnommen, ist es durch die Nutzung der Tiere dunkel.

    Deswegen reinigt man das Wachs, das geschieht durch Verflüssigen und Filtern. So setzen sich Schwebstoffe ab, die so leicht entfernt werden können. Häufig muss das Wachs mehrere Mal erhitzt und gefiltert werden, bis am Ende schönes, gelbes Wachs entsteht.

    Verbleiben die Schwebstoffe im Wachs, könntest du es beispielsweise nicht zur Kerzenherstellung verwenden, da die Brenneigenschaften beeinflusst werden. Auch in der Naturkosmetik ist reines, auf Rückstände geprüftes, Wachs die bessere Wahl.

    Um die Verwendungsformen abzurunden: Selbstredend kannst du aus unserem Wachs auch sogenannte „Beewraps“ - also eine natürliche Frischhaltefolie – herstellen, du kannst daraus ein Pflegeprodukt zur Holz- oder Lederpflege machen oder du nutzt es als Grundstoff für einen Bienenwachswickel.


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